Backstage: Über das Schreiben

…oder: Warum selbtproduzierte Schreibblockaden Zeitverschwendung sind

Schreiben ist nicht immer einfach
Nach jedem abgeschlossenen Schreibprojekt scheine ich in ein kleines Loch zu fallen, aus dem ich erst sehr mühevoll wieder hinausklettern muss. So ging es mir bei „Kein Winter ohne dich“, nach dem ich fast ein 3/4 Jahr lang nichts anderes schreiben konnte, und bei „Küss mich, Pirat“ ist es dasselbe. Ende Mai habe ich diese Novelle beendet und seitdem steckte ich wieder in einem Strudel fest, aus dem ich mich bisher nicht befreien konnte. Es fiel mir schwer, mich von meinen sehr liebgewonnenen Protagonisten zu verabschieden und etwas Neues zu beginnen. In solchen Momenten beneide ich immer wieder meine Autorenkolleginnen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe,  die immer wieder direkt von einem Projekt ins nächste überspringen können. Deadlines sind gegeben, der Drang zu schreiben ist übermächtig. Es ist wie eine Sucht, die ich sehr bewunderswert finde.
Es gab zwar eine Anthologie, an der ich mitwirken wollte, aber nach dem vierten gescheiterten Plotversuch habe ich dieses nun versenkt, da es einfach nicht das ist, was ich gerade schreiben will. Abgabe wäre der 31. August gewesen, im Anschluss werde ich im vier-Monatstakt  Novellen abliefern. Da darf ich es mir nicht erlauben, mich zwischendurch hängen zu lassen. Gestern war der Drang zu schreiben plötzlich wieder da und nachdem ich den ganzen Tag über gegrübelt habe, kam er endlich: der langersehnte neue Plot. 

Genug gejammert: Der Weg ist das Ziel
Zunächst hatte ich nur Puzzleteile, die ich eilig auf ein Blatt Papier kritzelte. Doch dann fügte sich alles zusammen und vor meinem inneren Auge entstand eine neue Geschichte, die ich unbedingt niederschreiben möchte. Doch ich stehe unter immensen Zeitdruck –  es gilt, die Geschichte bis zum 31. August abzuschließen.
Aber kann ich das? Eine neue Geschichte in fünf Wochen niederschreiben?
Natürlich kann ich das!
Mein Ziel sind etwa 20-25.000 Wörter und ich werde mich ranhalten müssen, wenn ich die Geschichte bis zu meiner selbst gesetzten Deadline beenden möchte. Dies ist sozusagen mein Probelauf für die nächsten drei Novellen, deren Abgabedaten genauestens geplant sind.

Und die Moral von der Geschicht …
In den letzten Tagen habe ich viele Gespräche mit anderen „frischen“ Autorinnen geführt. Es ist oft schwer, über seinen eigenen Schatten zu springen und an das zu glauben, was man tut. Die meiste Zeit verbringt man in solchen Situationen mit Selbstzweifeln. Man steht sich selbst im Weg, hält sich vom Schreiben ab, badet im Selbstmitleid. Aber ist es das wirklich wert? Viele Autoren sprechen in solchen Momenten von Schreibblockaden. Der Kopf ist leer, man bekommt keinen gescheiten Satz zu Papier. Man fragt sich ständig: Werden das meine Leser mögen? Entspreche ich dem Standard? Bin ich buchhandelstauglich? Wird das Buch ein Hit? Was, wenn es floppt? Bin ich überhaupt gut genug? Was, wenn ich gerade absoluten Mist produziere?
Wisst ihr was?
Die Antworten auf diese Fragen sind doch eigentlich vollkommen irrelevant!
Wir Autoren schreiben in erster  Linie doch für uns, schreiben das, was uns gefällt, was wir gerne lesen würden. Ist es da wirklich wichtig, sich zu fragen, was andere darüber denken werden?

Ich schreibe heute diesen Artikel, um auch mich selbst immer wieder daran zu erinnern, dass ich in der Zeit, in der ich an mir zweifle, so viel zu Papier bringen könnte. Stattdessen verschwende ich diese kostbare Zeit.
Keiner von uns sollte das tun. Wer das Schreiben wirklich liebt, der tut es einfach. Ohne Wenn und Aber. Ihr tut das in erster Linie für euch, nicht für andere.