Backstage: Die erste Lesung

Als ich damals meinen Vertrag für „Kein Winter ohne dich“ unterschrieben habe, sagte ich meinem Verleger klipp und klar: „Ich tu alles, aber ich werde keine Lesungen machen!“ – „Ja ja“, erwiderte er und winkte ab.
Ein Jahr lang kam ich ganz gut ohne Lesungen aus, doch schließlich kam ich an dem Punkt an, an dem die erste Anfrage kam: eine private Wohnzimmerlesung. Zusammen mit meiner lieben Kollegin Katharina Wolf. Verdammt! Während alles in mir danach schrie, dankend abzulehnen und mich weiterhin in meinem Schneckenhaus zu verkriechen, fragte sich meine innere Buchstabenschubse, was ich denn eigentlich wollte: Dass die Leute meine Bücher kennenlernen oder dass ich weiterhin auf mein Glück hoffte und die Leute zufällig drüberstolpern.
Die Antwort war ganz klar: Ich musste über meinen Schatten springen. Ich sagte zu.
Bereits in meiner Schulzeit hatte ich tierische Angst, vor anderen Leuten zu reden. Ich hasse die Aufmerksamkeit und die Tatsache, dass alle auf mich fixiert sind, wenn ich etwas vortrage. Meist macht sich das durch zitternde Hände, ein spektakuläres Sprachtempo und Atemnot bemerkbar.
Aber von nix kommt nix, wa?

lesung1
Cat Lewis (l.) & Katharina Wolf (r.)

Die erste Lesung rückte also näher, die Aufregung wuchs, und der Druck, unbedingt vorher üben zu müssen, ebenfalls. Dies habe ich bis zum Erhalt meiner Printexemplare von „Küss mich, Pirat“ aufgeschoben. Im Endeffekt habe ich mich dann an einem Abend intensiver mit dem Text, den ich lesen wollte, auseinander gesetzt. Gemeinsam mit meinem Mann habe ich die Betonungen und das Tempo geübt – ich war trotzdem viel zu schnell. Einen Tag vor der Lesung habe ich dann meinen zwei kleinsten Neffen ihre Bücher vorgelesen und dabei noch einmal das Probem mit dem Tempo aufgegriffen. Das ging so auch ganz gut – allerdings ist es noch einmal etwas anderes, wenn man ein fremdes Buch vorliest und nicht die eigenen Texte.
Am Tag der Lesung habe ich meinem Mann auf der Hinfahrt noch einmal alles vorgelesen – viel zu schnell, wie immer. Außerdem hat es mich mindestens zehn Minuten Überwindung gekostet, überhaupt anzufangen. Aber es musste einfach gehen – wichtig war erstmal, dass ich nicht vor Aufregung und Atemnot umkippe 😛
Es war eine kleine Runde – wir waren insgesamt nur sechs Leute. Für den Anfang hat mir das aber vollkommen ausgereicht und es hat mich gefreut, wie aufmerksam die Zuhörerinnen meinen beiden Kapiteln gelauscht haben. Katharina Wolf und ich haben abwechselnd gelesen und das hat es mir wesentlich einfacher gemacht. Sichtlich aufgeregt war ich zwar trotzdem und ich musste zwischendurch Luftholen, um nicht zu ersticken, aber irgendwie habe ich es bis zum Ende geschafft, ohne mich vollends zu blamieren.
Im Nachhinein muss ich zugeben: Ich bin sogar ein kleinwenig stolz darauf, dass ich das durchgezogen habe. Lesungen werden zwar niemals meine größte Leidenschaft werden, aber der Austausch mit den Lesern war unheimlich schön und hat mir vor Augen geführt, dass ich etwas erreicht habe, von dem ich nie zu träumen gewagt habe.
Noch in diesem Jahr wird es weitere Lesungen geben und ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten, was die Termine betrifft.

Bis dahin erst einmal vielen, vielen Dank an die lieben Mädels, die bei meiner ersten Lesung dabei waren und mich ermutigt haben, das durchzuziehen. Ein besonderer Dank gilt Lena von der Geilen Zeile, die die Wohnzimmerlesung so toll organisiert hat ♥

14037788_10207337351577473_410374252_o